Corona macht erfinderisch – Ein Praxisbeispiel aus der Heilig-Geist-Kirche in Bergisch Gladbach

Corona macht erfinderisch – Ein Praxisbeispiel aus der Heilig-Geist-Kirche in Bergisch Gladbach

Um 18 Uhr ist es soweit: Dann läuten seit einigen Wochen täglich in Bergisch Gladbach-Hand fünf Minuten lang die Glocken der Heilig-Geist-Kirche. Es ist in Corona-Zeiten eine Geste der Solidarität einer ganz normalen evangelischen Gemeinde. „Damit laden wir dazu ein, miteinander und füreinander zu beten – an dem Ort, wo man sich gerade befindet“, sagt Pfarrer Carsten Bierei. Seine Gemeinde hat sich auch der Aktion „Licht der Hoffnung“ angeschlossen, bei der täglich um 19 Uhr zum Glockenklang eine Kerze ins Fenster gestellt und ein Vaterunser zu Hause gesprochen werden kann.

„Botschaften, die Menschen anklicken können“

Kirche in Corona-Zeiten, das bedeutet in Köln und Region: Kirche, Kita, Gruppen – alles dicht. Gottesdienste, Trauungen, Taufen – alles abgesagt. Wie bleibt Pfarrer Carsten Bierei in Bergisch Gladbach da mit seinen rund 2.900 Gemeindegliedern in Kontakt? Seine Antwort lautet: „überwiegend virtuell“. Der Pfarrer, der zuvor nie besondere Internet-Ambitionen hatte, gesteht: „Not macht erfinderisch, die Corona-Krise macht erfinderisch.“ Wenn man sich in echt nicht mehr treffen könne, dann wenigstens auf virtuellen Plattformen. „Die Idee war, kurze Filme, Statements, Botschaften anzubieten, die Menschen anklicken können.“

„Ich hatte nie den Drang zum YouTuber“

Daher hat Pfarrer Bierei seit dem 19. März den YouTube-Kanal „Heilig-Geist-Kirche, Bergisch Gladbach“ für die Gemeinde ins Leben gerufen. Eine Aktion, die ihn selbst immer noch erstaunt: „Ich hatte nie den Drang dazu. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal als „YouTuber“ agiere. Aber durch die Krise hatte ich sogar ein bisschen Spaß daran, auch kreativ etwas zu entwickeln.“ Jetzt sieht er die virtuellen Kontaktmöglichkeiten als Aufgabe und hat neben dem vollen Glockengeläut der Kirche kurze Sonntagsbotschaften eingestellt.

Konfi-Stunde online

Für seine Konfirmandinnen und Konfirmanden hat Pfarrer Bierei ein spezielles und durchaus witziges Video eingestellt: „Die Konfi-Stunde online – das Glaubensbekenntnis“. Wer den im Film versteckten Fehler entdeckt, bekommt vom Pfarrer ein digitales Eis per Klick. „Ich habe den Link an alle Eltern und Konfis geschickt und der ist bisher ausschließlich auf positives Echo gestoßen.“ Später soll in coronalosen Zeiten das digitale Eis in echtes umgewandelt werden.

Video-Grüße von Küster & Co

Dem Pfarrer ist es wichtig, dass nicht nur er selbst kleine Videobotschaften verfasst. „Auch Gemeindeglieder, Haupt- und Ehrenamtliche, sind aufgerufen, kleine Statements oder Mut machende Botschaften beizutragen für Menschen, die zu Hause so in Kontakt mit uns bleiben wollen.“ Das Angebot wird bereits angenommen: Grüße von Küster, Seniorengruppenleiter und Kirchenmusikern lassen sich derzeit via Bildschirm schon in jedes Zuhause holen. Auch der Aussaat der Bienenwiese neben der Kirche kann von dem heimischen Sofa aus zugesehen werden. Wer will, darf selbst filmen und das Ergebnis der Gemeinde mailen.

Alle Videos auf der Homepage

Für Gemeindemitglieder, die sich über Neues aus der Gemeinde informieren möchten, ist nach wie vor die Kirchen-Homepage www.heilig-geist-kirche.de die erste „Anlaufstation“. Daher sind alle Videos, inklusive eines Musikgrußes des Kirchenchors Cantanova, dort ebenfalls zu finden. Und für alle, die zwischendurch einen Blick ins geschlossene Kirchengebäude werfen möchten, gibt es ein 360-Grad-Panorama des Innenraums. Das kommt bei den Leuten an, berichtet der Pfarrer.

Kontakt auch per Gebet

Der Kontakt läuft für Carsten Bierei jedoch nicht nur über Internet, Telefon, Handy und dem guten alten Brief. „Als Christinnen und Christen haben wir noch ein besonderes Medium: das Gebet“, ruft er in Erinnerung. „Wir glauben, dass wir untereinander verbunden sind durch das Gebet.“ Jeder könne für sich beten oder „in der Fürbitte gute Wünsche an die anderen senden.“

Ostern zu Hause

Das gilt für jeden Tag, ob mit oder ohne Corona. Es galt aber ganz besonders, als die höchsten christlichen Feiertage Karfreitag und Ostern gefeiert wurden – ganz ohne gewohnten Gottesdienst – und ohne die an der Heilig-Geist-Kirche beliebte 6-Uhr-Osternacht. Doch alleine gelassen wurden die Menschen hier und auch an den vielen anderen Orten im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region nicht. Die Gemeinde in Bergisch Gladbach-Hand schickte wie viele andere Gemeinden an alle Haushalte in ihrem Gebiet einen Ostergruß per Post. Mit ihrer Karte lud die Heilig-Geist-Kirche alle Gemeindeglieder ein, Ostern mit den vielen Videoangeboten zuhause zu feiern.

Die Bibel spricht von allein

Die Texte, die an Karfreitag und Ostern normalerweise im Gottesdienst vorgelesen werden, konnten die Gemeindeglieder zuhause in der Bibel nachlesen. Osterchoräle konnten im Gesangbuch aufgeschlagen oder im Internet gefunden werden. Das Kerzenlicht in der heimischen Wohnung verbreitete österliche Hoffnung und Freude – „das kleine Osterfeuer zu Hause“, sagt Pfarrer Carsten Bierei schmunzelnd. Vielleicht haben einige gedacht: „Kann ich als Laie mit den biblischen Texten überhaupt etwas anfangen? Brauche ich nicht einen Pfarrer, der sie mir erklärt?“ Diese Sorge nimmt Carsten Bierei den Fragenden. Er ist überzeugt: „ Die Bibel spricht von allein, sie braucht nicht groß ausgelegt zu werden. Allein das Lesen der Worte – zum Beispiel der Psalmen – wirkt.“

Infos: www.heilig-geist-kirche.de und auf www.youtube.com Kanal: Heilig-Geist-Kirche, Bergisch Gladbach

Text: Ute Glaser
Foto(s): Ute Glaser

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